wie alles begann…

Als kleines Kind liebte ich es, Schmuck herzustellen. Irgendwann jedoch dachte ich, dass es im Leben mehr geben müsse als das Auffädeln von Perlenketten. Also schnappte ich mir ein Feuerzeug und eine alte Kette meiner Mutter und versuchte, sie einzuschmelzen – eine dumme Idee, wie sich schnell herausstellte. Die Kette wurde schwarz, meine Finger verbrannten, und sonst geschah nichts. Enttäuscht entfernte ich mich von meinem Traum, nur um ihn etwa zehn Jahre später wiederzufinden.

Im Jahr 2007 wanderten wir vom Rheinland nach Namibia aus. Ich war gerade 16 Jahre alt. Wie man sich mit 16 fühlt, wenn man alle Freunde und Familienmitglieder zurücklässt und plötzlich auf einer Farm mitten im namibischen Busch lebt, kann man sich vielleicht vorstellen. Es ging mir im ersten Jahr nicht gut. Die Sehnsucht war groß, und so setzte ich mich immer häufiger unter den Sternenhimmel. Ich suchte Mama Mondin am Himmel und stellte mir vor, wie meine Liebsten genau in diesem Moment ebenfalls nach oben blickten. Der Himmel tröstete mich und hüllte mich langsam in ein neues Gefühl von Geborgenheit.

Nach einigen Monaten begann ich Namibia über alles zu lieben. Es war eine herrliche Zeit. Tagsüber erkundete ich die Farm vom Pferd aus, erklomm Berge ohne Wege, näherte mich wilden Tieren und schloss Freundschaften mit Mensch und Tier. Wenn es dunkel wurde, legte ich mich unter die funkelnde Sternendecke. Mein Gott – wie unfassbar schön der Sternenhimmel an diesem Fleck der Erde ist.


Eines Tages besuchte uns meine Großmutti. Auch sie konnte sich dem Sternenhimmel nicht entziehen und sagte zu mir:
„Würde Großvati noch leben, wünschte ich mir von ihm ein Schmuckstück mit dem Kreuz des Südens.“
Mein Herz machte einen Satz. Das war es! Genau das wollte ich tun: Schmuck erschaffen, der die Sterne vom Himmel holt. Schmuck, der uns immer und überall daran erinnert, dass wir Teil des Kosmos sind – dass wir Natur sind.

Foto Credits @ Himmelblau Fotografie

Nachhaltigkeit

Für mich heißt Erdverbundenheit, Materialien nicht rücksichtslos zu entnehmen, sondern verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen. Deshalb hat es für mich oberste Priorität, Edelmetalle ausschließlich aus vertretbaren und verantwortungsvollen Quellen zu beziehen.

Schmuck ist ein Luxusprodukt. Und Luxus sollte niemals auf Leid beruhen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit – doch leider ist es das nicht. Die funkelnde Schönheit eines Schmuckstücks und die emotionale Bindung, die wir zu ihm aufbauen, lassen uns allzu leicht vergessen, uns bewusst mit dem Ursprung seiner Materialien auseinanderzusetzen.

Der Markt bleibt dabei oft intransparent: Informationen über Herkunft und Bedingungen werden selten sichtbar gemacht – obwohl sie genauso wichtig sind wie das fertige Schmuckstück.

Was macht den regulären Goldabbau
so schädlich für Mensch & Umwelt?

In diesem Text möchte ich einen kleinen Einblick in den regulären Goldabbau geben. Wo liegen die Probleme des Goldabbaus und was kann ich tun, um als Schmuckliebhaber*in einen grüneren Weg einzuschlagen?

Zum größten Teil wird Gold in Erz gefunden. Um das Gold von dem Erz zu trennen, werden Chemikalien wie Cyanid oder Quecksilber eingesetzt. Im großindustriellen Goldabbau kommen zudem rund 140.000 Liter Wasser pro Stunde zum Einsatz.
Um eine Tonne Gold zu fördern, werden etwa 150 Tonnen Cyanid gebraucht.
Der unfassbar große Einsatz von Wasser und Chemikalien ist notwendig, wenn man möglichst profitabel Gold abbauen möchte, so wie es im großindustriellen Stil der Fall ist.
Auch in den kleineren Minen bleiben Chemikalien nicht aus – und hier ohne jeglichen Schutz der Mitarbeiter*innen, unter denen nicht selten Kinder arbeiten. Ob großindustriell oder im kleinen Bergbau, die Chemikalien werden nicht sorgfältig entsorgt und geraten in die Umwelt, wo sie umliegende Gewässer kontaminieren und die Lebensgrundlage der Menschen und Tiere vor Ort Stück für Stück irreparabel zerstören.

In Teilen von Südamerika wird Gold zu einem größeren Problem als Kokain. 
Große Teile des Regenwaldes werden gerodet, um illegal Gold zu schürfen und die zum Einsatz kommenden Chemikalien werden in die Flüsse gekippt. Was von dem Gift in die Natur gelangt, bleibt in der Natur. Der Boden und das Grundwasser sind verseucht. Fische im Fluss, die oft Lebensgrundlage für Einwohner bedeuten, sind vergiftet, werden gegessen und infolge dessen werden Menschen krank. Nicht die Reichen, die vom Gold profitieren, sondern die Menschen, die bereits unter den Goldminen leiden – ihr Land und ihr Zuhause verlieren. 

Wo Gold gefunden wird, wird zerstört. Leider haben Anwohner solcher Orte keine Chance gegen die mächtigen Goldkonzerne anzugehen, weil diese eng mit dem Staat zusammenarbeiten und Korruption in manchen Ländern leider an der Tagesordnung steht. Wenn das Gold dann erschöpft ist und Minen stillgelegt werden, bleibt eine trostlose Landschaft zurück, die nun viele hunderte Jahre braucht, um sich zu erholen.

Der Goldrausch ist groß, wächst und es ist kein Ende in Sicht. Gold wird solange gefördert, bis es nicht mehr in der Erde zu finden ist. Durch den steigenden Goldkurs werden immer häufiger neue Minen in Naturschutzgebieten aufgebaut. Teile der Erde die bisher irrelevant wenig Gold vorzuweisen hatten, werden mit dem immer weiter steigenden Goldkurs profitabel.

Schmuck deckt nur einen kleineren Teil des jährlichen Abbaus. Das meiste Gold gelangt in Zentralbanken. Länder horten Gold, um im Fall von Krisen abgesichert zu sein und das ist ein wirkliches Problem, finde ich. 
Es gibt so viel Gold in Banken, dass man überhaupt nichts mehr abbauen müsste und man die Natur in Ruhe lassen könnte.
Auch einzelne Menschen investieren in die „sichere“ Anlage des Feinmetalls. Was das für Auswirkungen auf unsere Erde hat, scheint keinem ausreichend bewusst zu sein.

Genau aus diesem Grund muss sich bei dem Abbau von Gold etwas fundamental verändern. Fairtrade und Fairmined sind ein schönes Beispiel dafür, dass es auch anders geht.
Sie bemühen sich, den Einsatz von Chemikalien zu mindern und sicher zu entsorgen. Außerdem verdienen die Minenarbeiter*innen einen fairen Lohn, haben ein sicheres Arbeitsumfeld, Schutzkleidung und es arbeiten keine Kinder auf den Minen.

Ich bin überzeugt, dass, wenn die Nachfrage für nachhaltig gewonnenes Gold steigt, Stück für Stück ein Umdenken in den Goldminen stattfinden kann.

Quelle @Regenwald.org (chemikalienverbrauch und Wassernutzung)

Was kann ich tun

um dem regulären Goldabbau entgegenzuwirken?

  • Wenn du alten, ungetragenen Schmuck zuhause hast, kannst du diesen umarbeiten oder recyceln lassen.

  • Auch alte Elektroartikel beinhalten Gold. Achte also darauf, dass du alte und ungebrauchte Handys oder Laptops abgibst. Dafür gibt es bestimmte Sammelstellen und schöne Aktionen.

  • Achte beim Schmuckkauf darauf, dass faire Materialien verarbeitet wurden. Leider herrscht im Schmuckbereich unglaublich viel Greenwashing und es ist nicht so leicht diese zu erkennen. Schau dir die Unternehmen also ganz genau an und frage im Zweifel nach, woher die Materialien stammen, bevor du etwas einkaufst.

  • Überlege dir, ob Goldinvestitionen für dich die richtige Anlageoption ist, oder ob du nicht lieber in eine nachhaltigere Alternative investieren möchtest. Es gibt mittlerweile auch Fairtrade-Unzen, aber auch hier ist – meiner Meinung nach – ein Verzicht lobenswerter als die Investition in das Gold, das nur verschlossen herumliegt.